Hinweis

Den Text dieser Chronik wird gerade erarbeitet. Da dies ein langwieriger Vorgang ist, sei an dieser Stelle auf eine Festschrift von 1989 verweisen, die uns dankenswerterweise von Ralf Höppner zur Verfügung gestellt wurde. Vielen Dank dafür!

 

Link: hier (pdf, 20 MB)

Chronik des PzGrenBtl 173

Wache Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)
Wache Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)

Die Geschichte des Panzergrenadierbataillins 173 beginnt mit der Wiederaufstellung einer deutschen Armee nach dem 2. Weltkrieg. Als offizielles Geburtstdatum ist auf dem Aufstellungsbefehl Nr. 3 der 30.09.1956 verzeichnet, jedoch betrat am 12. juli 1956 mit StFw Mörler der erste Soldat des zukünftigen PzGrenBtl 3 die Boehn-Kaserne. Der Standort war damals noch in einem mangelhaften Zustand, denn die Gebäude waren noch nicht vollstänfig wiederhergerichtet. Der Aufstellungsbefehl sah vor, dass das der 3. PzDiv unterstellte PzGrenbtl 3 bis zu, 01.11.1956 eine Auffüllung bis auf eine Stärke von 80% des Solls von ca. 979 Soldaten erreichen soll. Die Chtronik verzeichnet für den 03.09.1956 einen Personalstand von 11 Offizieren / 68 Unteroffizieren und 45 Mannschaften.

Die damalige Gliederung umfasste die Stabskompanie, die 1./- bis 4./- als Gefechtskompanie und die Versorgungskompanie. Die Ausrüstung bestand aus US-Karabinern M1, dem leichten US-MG, Pistolen (ab 1957 Walther 9mm) sowie 6 Granatwerfern 81mm. Die ersten Kraftfahrzeuge erreichten das Bataillon im November 1956 in form von LKW 0,75t Borgward, 3t FORD und 5t Mercedes.

Mit dem 05. November 1956 endete die Kaderaufstellung, schon einen Tag später trafen die ersten 63 ungedienten Freiwilligen in der Boehn Kaserne ein, denen am 16. März 1957 noch einmal 120 Personen folgten. Die ersten "richtigen" Wehrpflichtigen konnten dann in einer Stärke von 180 Personen im Standort begrüßt werden. Der ersteJahrgang von Wehrpflichtigen legte in einer öffentlichen Großveranstaltung sein Gelöbnis im Hamburger Stadtpark ab. In den Jahren 1966 und 1977 wurden nochmals Gelöbnisse in der Öffentlichkeit auf dem Rathausplatz in Hamburg durchgeführt.

Dem Datum 05. Januar 1957 ist in der Bataillonschronik als erster Kontakt zur "Außenwelt" vermerkt, denn der Rahlstedter Tennisclub lud Solten des Bataillons zum Kennenlernen und zur ersten Verbindungsaufnahme ein. Da die Bundeswehr zur damaligen Zeit noch ein durchaus umstritttenes Instrument zur Sicherung des Friedens war, war der Schritt des Tennisclubs durch aus beachtlich.

Schon Anfang Juli 1958 verfügt das PzGrenBtl 3 über eine Personalstäke von 900 Soldaten und damit fastüber seine Sollstärke. Diesen Soldaten wurde die besondere Ehre zuteil, an der Lehr- und Versuchsübung 1958 teilzunehmen mit 162 KFz als "Üb-PzGrenBtl 503".

Die Versuchsübung nahm das Hamburger Abendblatt zum Anlass, am 10.09.1958 zu titeln: Heute Nacht beginnen die ersten großen Herbstmanöver der Deutschen Bundeswehr. Die Sinn hinter dieser großen Lehrübung, an der auch Bundeskanzler Adenauer und Verteidigungsminister Strauß teilnahmen, war es, die Neugliederung des Heeres in Brigaden zum ersten Mal praktisch zu erproben. Die Erprobung erwies sich als nützlich, daher wurde das PzGrenBtl 3 schon im Oktober 1958 umgliedert:

 

Bataillonsgliederung Oktober 1958
neue Bezeichnungalte Bezeichnung
1. KpVersKp
2. Kp2. Kp
3. Kp3. Kp
4. Kp1. Kp
5. KpStabsKp
6. Kp4. Kp
Gelöbnis in der Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)
Gelöbnis in der Boehn-Kaserne (Schoofs - 1958)

Im Dezember 1958 feiert das Bataillon schon 2,5 Jahre seines Bestehens, aber die Häufigkeit der Personalwechsel mit Ausnahme des Kommandeurs lassen eine Nachverfolgung nicht mehr zu.

Am 01. Feburar 1959 wurde das PzGrenBtl 3 aus der 3. PzDiv herausgelöst und der in Hamburg neu aufgestellten Kampfgruppe A3 zugeteilt, die schon im darauffolgenden Monat zur Panzergrenadierbrigade 17 umbenannt wurde. Diese Brigade war der 6. Panzergrenadierdivision unterstellt und damit einhergehend bekam auch das Bataillon den neuen Namen Panzergrenadierbataillon 172 am 16.3.1959, was mit einer erneuten Umgliederung der Kompanien verbunden war.

 

Bataillonsgliederung März 1959
neue Bezeichnungalte Bezeichnung
1. Kp (StVersKp)1. Kp
2. Kp (PzGrenKp)2. Kp
3. Kp (PzGrenKp)6. Kp
4. Kp (PzGrenKp)4. Kp
5. Kp (schwere PzGrenKp) 5. Kp

 

Erst im Juli 1960 war es soweit, dass das Bataillon seinen ersten HS30-Schützenpanzer bekam, der jetzt das Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere (SPz) war. Jedoch konnte die Freude darüber nur geteilt sein, denn die Panzer wurden ohne Turm ausgeliefert; bis zum August übrigens 46 Exemplare. Die fehlenden Türme wurden erst zum 16. Juni 1961 ausgeliefert, dennoch nahm das PzGrenBtl 172 bereits 1960 an der Übung HOLD FAST erstmals mit den neuen Fahrzeugen teil, daneben hab es noch SPz (Üb), Radfahrzeuge sowie den amerikanischen Panzer M41 im Panzerjägerzug der 5. Kompanie.

ln der Nacht des 16.02.1962 traf die Stadt Harnburg die größte Flutkatastrophe ihrer Geschichte. Neben Soldaten aller Hamburger Truppenteile gehörten auch die Soldaten des PzGrenBtl 172 zu den ersten Helfern, die den betroffenen Hamburger Bürgern Rettung und Hilfe brachten, vor allem im Bereich Peute-Hafen, Wilhelmsburg und Veddel.

Nach einer längeren Phase der Konsolidierung, in der 1966 die M41-Panzer durch die neuen Kanonenjagdpanzer ersetzt wurden, gab es im Jahr 1971 neue strukturelle Verändenungen: im Zuge der Umgliederung des Heeres in die Struktur 3 und größerer Truppenverschiebungen innerhalb der 6. PzGrenDiv wurde das PzGrenBtl 172 am 01.10.1971 umbenannt in Panzergrenadierbataillon 173. Gleichzeitig veränderte die 5. Kompanie ihr Gesicht: aus der schweren PzGrenKp wurde die Panzermörser-Kompanie, ausgestattet mit 6 Panzermörsern 120 mm auf SPz HS 30.

Am 11.08.1971 verunglückte der Unteroffizier Rüdiger Knaak bei einer Gefechtsübung der 3. Kp auf der Sieker Landstraße tödlich. Während einer Kampfphase, in der er dem Richtschützen seines SPz ein Feuerkommando gegeben hatte, saß er vom SPz nach vorn ab und geriet bei der Feuereröffnung durch den Richtschützen unmittelbar vor die Rohrmündung der Bordkanone. Unteroffizier Knaak war der erste Angehörige des Btl, der im Dienst tödlich verunglückte. Am 04.05.1972 stieß der Transportzug der Deutschen Bundesbahn, mit dem unter anderen das PzGrenBtl 173 nach einem Truppenübungsplatzaufenthalt in Bergen-Hohne perBahn in den Standort Hamburg zurück verlegt werden sollte, gegen 03:18 Uhr auf der eingleisigen Strecke Buchholz-Soltau auf Grund menschlichen Versagens mit einem Güterzug zusammen. Neben dem Lokführer des Zuges verloren bei diesem Unglück der Unteroffizier Klaus-Dieter Achtert und der Panzergrenadier Heinrich Breuer, beide 1. Kompanie, ihr Leben, über 20 weitere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt.

Am 26.04.1973 wurde das Ende der HS 30- Ära im Bataillon eingeläutet: die ersten beiden Schützenpanzer Marder wurden an die 3. Kompanie übergeben, Ende Oktober 1973 waren alle 50 Marder ausgeliefert.

Im gleichen Jahr wurde die 5. Kompanie umgerüstet auf den Mörserträger MTW M 113. Nach 13 Jahren Dienstzeit im Bataillon wurde der HS 30 außer Dienst gestellt, seine Spuren aber sind noch heute zu verfolgen: im Jägerbataillon (GE) 171 leistet er nach wie vor gute Dienste und seit Anfang Juni 1981 stand ein SPz HS 30 zur Erinnerung an das erste Hauptwaffensystem der Panzergrenadiere auf der Wiese neben dem Haupttor der Boehn-Kaserne.

Am 11.11.1976 beging das Panzergrenadierbataillon 173 mit einem Btl-Appell und einem feierlichen Gelöbnis sein 20-jähriges Bestehen. Zahlreiche Gäste aus dem politischen und wirtschaftlichen Bereich, der örtlichen Verwaltung, den Vereinen und Instutionen im Raum Rahlstedt nahmen daran teil und brachten damit ihre in den 20 Jahren der Bataillonsgeschichte ständig gewachsene enge Verbundenheit zum Bataillon sichtbar zum Ausdruck. ln das Jahr des 25-jährigen Bestehens fiel die nächsteUmgliederung des Btl: am 27.03.1981 wurde im Rahmen eines Btl-Appells die Umgliederung in die Heeresstruktur 4 nach außen sichtbar vollzogen. Die wichtigsten Veränderungen sind die Reduzierung auf 24 SPz Marder, die Einführung der sogenannten Dreier-Gliederung, die Umbenennung der 3. Kp und 4. Kp, die Umrüstung der 4. Kp auf MTW M113 sowie die Neuaufstellung der 3./PzGrenBtl 171, die seitdem dem Btl für den Friedensbetrieb in jeder Hinsicht unterstellt ist:

 

Bataillonsgliederung 1981
neue Bezeichnungalte Bezeichnung
1. Kp (StVersKp)1. Kp -  StVersKp
2. Kp (PzGrenKp)2. Kp -  PzGrenKp
3. Kp (PzGrenKp)4. Kp -  PzGrenKp
4. Kp (PzGrenKp)3. Kp -  PzGrenKp
5. Kp (PzMrsKp)5. Kp -  PzMrsKp
3./171 - PzGrenKp (Marder)---

 

 

Zu Beginn des Jahres 1969 übernahm das Bataillon nach einleitenden Gesprächen zwischen dem damaligen Kommandeur, Oberstleutnant Hoffmann, und Oberstabsfeldwebel Moldt, ehemaliger Angehöriger der 225. Infanteriedivision, die Traditionspflege dieser Division, die 1935 als Mobilmachungsverband aufgestellt wurde und mit ihrem Stab in Hamburg zu Hause war. Im Sommer 1969 wurde die Traditionstafel der 225. I.D. durch Herrn Pastor Grau erstellt und dem Bataillon übergeben. Sie ist im Jahre 1981 in einem eigens dafür eingerichteten Traditionsraum untergebracht worden.

Der Kontakt zwischen dem Bataillon und der Traditionsgemeinschaft der 225. I.D. ist vielfältig: seit 1976 findet jährlich ein Schießwettkampf zwischen je einer Mannschaft des Btl und der Traditionsgemeinschaft statt, die im Oktober 1976 und im Oktober 1979 je einen Silberbecher mit Gravur als Wanderpokal stiftete, der bisher jeweils knapp von der Btl-Mannschaft gewonnen werden konnte. Das Btl ist mit einer Delegation vertreten beim traditionellen Jahrestreffen mit Grünkohlessen der Traditionsgemeinschaft zu Beginn eines jeden Jahres, diese nimmt teil an allen besonderen Veranstaltungen des Btl.

Seit ca. 1o Jahren ist das Bataillon Mitglied der "Vier-Aufrechten". ln dieser Verbindung mit

  • der Freiwilligen Feuerwehr Oldenfelde-Siedlung
  • der II. Wachabteilung der Feuerwache Wandsbek
  • der Altliga des Sportvereins Barmbek-Uhlenhorst (BU)

 

kommt auf besondere Weise die Einbindung des Bataillons in seine zivile Hamburger Umwelt zum Ausdruck. Jährlich einmal werden gemeinsam ein humoriger Sportvergleichskampf und ein Tanzfest der "Vier-Aufrechten" durchgeführt. Daneben spricht auch die enge Verbindung des Btl zum Bürgerverein Oldenfelde, zur Freiwilligen Feuerwehr Oldenfelde, zum Bürgerverein Rahlstedt, zum Sportverein SC Condor und anderen Vereinen und Verbänden eine deutliche Sprache von den in 25 Jahren kontinuierlich gewachsenen Bindungen zwischen den Soldaten des Bataillons und den Bürgern Hamburgs.

Eine inzwischen 13-jährige enge Verbindung besteht zwischen der Kreisgruppe Wandsbek des Verbandes der Reservisten der Bundeswehr e.V. und dem Btl, das bei zahlreichen dienstlichen und außerdienstlichen Veranstaltungen Ausrichter und Gastgeber für die Reservisten war. Am 07.06.1980 beim 14. Militärischen Mannschaftswettbewerb gewann eine Mannschaft des Btl zum fünften Mal und damit für immer den von der Innenbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg im Jahr 1967 gestifteten Silberteller. Auch bei anderen Sportwettkämpfen im Bereich Hamburg und im internen Bereich der Bundeswehr errangen Mannschaften des Btl einige hervorragende Siege und Platzierungen, dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich in den Btl-Mannschaften häufig prominente Spitzensportler fast aller Hamburger Sportverbände fanden, die ihre Wehrpflicht im PzGrenBtl 173 absolvierten.